Verleihung des 5. Hessischen Präventionspreises

Justizminister Jürgen Banzer: „Die frühzeitige Vermittlung von Werten und Normen ist der beste Weg zu einem gewaltfreien Zusammenleben“.

Wiesbaden. – „Das Verhindern von Kriminalität ist der wirkungsvollste Beitrag für die Sicherheit der Bürger. Kriminalprävention ist dann besonders erfolgreich, wenn sie breit angelegt ist und junge Menschen so früh wie möglich erreicht. Die frühzeitige Vermittlung von Werten und Normen ist der beste Weg zu einem gewaltfreien Zusammenleben“, erklärte der Hessische Justizminister Jürgen Banzer heute anlässlich der Verleihung des vom Landespräventionsrat vergebenen 5. Hessischen Präventionspreises in Bad Homburg. „Der Hessische Präventionspreis zeichnet besonderes Engagement und besondere Kreativität in der Kriminalprävention aus. Die mit dem Präventionspreis ausgezeichneten Projekte sind ein wichtiger Impuls für die örtlichen Präventionsprojekte und machen hessenweit Schule“, so der Minister.

„Die Menschen haben einen Anspruch darauf, optimal vor Verbrechen geschützt zu werden. Der Schutz der Bevölkerung vor Straftaten beinhaltet neben der konsequenten Verfolgung und Ahndung von Straftaten auch die Vorbeugung“, erklärte der Minister weiter. Dieser wichtigen Aufgabe hätten sich die Präventionsräte auf Landes- und kommunaler Ebene angenommen. Deren Arbeit werde unter anderem durch die Ausschreibung des mit 5.000 € dotierten Hessischen Präventionspreises unterstützt. Der Preis helfe bei der Förderung qualitativ hochwertiger Präventionsarbeit und sei in diesem Jahr von dem Verein „Schule machen ohne Gewalt“ SMOG Hochtaunus gestiftet worden, wofür der Minister dem Verein seinen besonderen Dank aussprach.

Die diesjährigen Sieger sind die Stadtschule Michelstadt (1. Preis, 3.000 €), die Carl-Anton-Henschel-Schule, Kassel (2. Platz, 1.000 €), und die Heinrich-Kielhorn-Schule, Wehrheim (2. Platz, 1.000 €).

Jürgen Banzer würdigte die besondere Qualität und Phantasie der 26 kriminalpräventiven Projekte, die am Wettbewerb um den diesjährigen hessischen Präventionspreis teilgenommen hatten. Er verwies besonders auf die Breite der präventiven Überlegungen, die von Familien- und Nachbarschaftshilfen über eine Verbesserung der Sicherheit in großen Wohnanlagen bis hin zu eindrucksvollen pädagogischen, sportpädagogischen und künstlerischen Projekten reichten.

All diesen Projekten sei gemein, dass sie durch frühzeitige Intervention oder kreative pädagogische Aktivität Straftaten schon vor ihrer Entstehung verhindern könnten. Zudem werde mit ihrer Hilfe dem in den vergangenen Jahren zu beobachtenden Werteverfall und der Entsolidarisierung entgegengewirkt. „Die gesamtgesellschaftliche Kriminalprävention gestaltet sich nur dann erfolgreich, wenn sie ressortübergreifend und unter Beteiligung der Bürger angegangen wird und unser Lebensumfeld verbessert. Der Erfolg lässt sich neben weniger Straftaten daran messen, dass sich z. B. in Frankfurt am Main nach einer Umfrage der Stadt nur noch 13% der Befragten unsicher fühlten – eine gegenüber den Vorjahren deutlich reduzierte Zahl. Vergleichsweise beklagten 18% der Befragten fehlenden Parkraum und zu viel Verkehr in der Innenstadt. Es wäre ein schönes Ergebnis, wenn Präventionsarbeit nur noch diese Problemgewichtung zulassen würde“, erklärte der Minister dazu.

Abschließend hob der Minister den hohen Einsatz der an der Präventionsarbeit Beteiligten hervor und würdigte ihr ehrenamtliches Engagement. „Sich aus freien Stücken für seine Mitmenschen oder für die Allgemeinheit einzusetzen, ist Ausdruck von Verantwortungsbereitschaft und Solidarität. Ehrenamtliches Engagement macht unsere Gesellschaft menschlicher und wärmer und, bezogen auf die Kriminalprävention, auch sicherer“, führte er aus.

Die diesjährigen Preisträger des zweijährlich vom Präventionsrat vergebenen Präventionspreises:

1. Platz (3.000 €) Stadtschule Michelstadt

Die Stadtschule Michelstadt unterrichtet 330 Kinder aus der Innenstadt, von denen ¼ nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hat, ein weiterer großer Teil hat kein deutschsprachiges Elternhaus. Das Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, die deutschen Sprachkenntnisse zu fördern. Durch eine Aktion „Stadtschulpaten“ bieten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums dreimal wöchentlich kostenlos Hausaufgabenhilfe, besonders in Deutsch, an. Außerdem wird die Bewegung der Schüler gefördert: Alle Kinder haben 3 Sportstunden wöchentlich und können vor Schulbeginn am Frühsport teilnehmen. Weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Stärkung der Kontakte zu den Eltern. Die Schule hat eine Erziehungshilfe-Ambulanz eingerichtet und es gibt einen Pool ehrenamtlicher Übersetzer in verschiedenen Sprachen. Hierdurch ist die Schule mit Eltern ins Gespräch gekommen, die sie vorher bei eher „unangenehmen“ Anlässen sah.

2. Platz (1.000 €) Carl-Anton-Henschel-Schule, Kassel

Die Ganztagsgrundschule in Kassel versucht eine konstruktive Konfliktbewältigung durch ein „Training für starke Nerven“ zu erreichen, in dem Lösungsansätze in Konfliktfällen aufgezeigt werden. Im Wege der Mediation sollen Konflikte in einem von einem Lehrer moderierten Gespräch gelöst werden, indem eine für beide Parteien akzeptable Lösung gesucht wird. Im Rahmen der „Zukunftswerkstatt“ wurde eine gemeinsame Schulordnung entwickelt.

2. Platz (1.000 €) Heinrich-Kielhorn-Schule, Wehrheim

Die Heinrich-Kielhorn-Schule ist eine Förderschule für Lernhilfe für Kinder mit Erziehungshilfebedarf. Benachteiligte Kinder und Jugendliche sollen in ihrem Lernen und ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt werden, um langfristig für sie eine berufliche Perspektive zu entwickeln. Nachdem im Jahr 2001 eine deutliche Zunahme der Gewaltbereitschaft der Schüler festzustellen war, die bis zu Angriffen auf das Lehrpersonal führte, versuchte die Schule unter dem Motto „Niemand sollte verloren gehen!“ Schülerinnen und Schüler zu selbstständigem, sozialem und gewaltfreiem Handeln anzuleiten. Durch ein anregendes Handlungsfeld, überschaubare und verlässliche Regeln, Rituale und Zielperspektiven konnte eine deutliche Verringerung der Gewalt an Personen und Sachen sowie von kriminellen Handlungen erreicht werden.

Innovation/Nachhaltigkeit

Als besonders innovativ wurde das Projekt „ChatDay – Pro Familia sucht die Charming Chatter“ gewürdigt. Das Projekt ist konzipiert als präventiver Beitrag im Umgang mit dem Internet, indem es Jugendliche für das Thema „Sexuelle Grenzüberschreitung“ sensibilisiert. Im Mittelpunkt steht, die Jugendlichen fit zu machen im Umgang mit Gefahren beim Chatten im Internet.

Besonders hervorgehoben wurde darüber hinaus das Projekt „Kassler Jugendfilmpreis 2003 bis 2006“ wegen des nachhaltigen Erfolgs und der nachhaltigen Ergebnisse. Der 1. Kassler Jugendfilmpreis wurde im Juli 2003 ausgeschrieben und stieß bereits auf reges Interesse. Das Projekt wurde inzwischen von Kassel auf ganz Nordhessen ausgedehnt. Das Projekt hatte den 4. Hessischen Präventionspreis gewonnen.

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