Verleihung des 6. Hessischen Präventionspreises

Verleihung des 6. Hessischen Präventionspreises durch den Botschafter des Landespräventionsrates und Fußballprofi Ioannis Amanatidis / Justizminister Jürgen Banzer: „Unser Ziel muss es sein, sozial schädliches Verhalten zu erkennen und Situationen, die Kriminalität begünstigen, gar nicht erst entstehen zu lassen“

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Vergabe des 6. Hessischen Präventionspreises am 24. November 2008
Vergabe des 6. Hessischen Präventionspreises am 24. November 2008

Wiesbaden. – „Das Verhindern von Kriminalität ist der wirkungsvollste Beitrag für die Sicherheit der Bürger. Kriminalprävention ist dann besonders erfolgreich, wenn sie breit angelegt ist und junge Menschen so früh wie möglich erreicht. Situationen, die Kriminalität begünstigen, dürfen gar nicht erst entstehen“, erklärte der Hessische Justizminister Jürgen Banzer heute anlässlich der Verleihung des vom Landespräventionsrat vergebenen 6. Hessischen Präventionspreises im Landtag in Wiesbaden durch seinen Botschafter und Fußballprofi der Frankfurter Eintracht Ioannis Amanatidis. „Der Hessische Präventionspreis zeichnet besonderes Engagement und besondere Kreativität in der Kriminalprävention aus. Die mit dem Präventionspreis ausgezeichneten Projekte sind ein wichtiger Impuls. Projekte dieser Art sind als Vorbilder unverzichtbar. Unverzichtbar sind aber auch Menschen wie Ioannis Amanatidis, die bereit sind, sich für die Gemeinschaft ehrenamtlich zu engagieren und gerade für Jugendliche Vorbild sind“, so der Minister.

„Die Menschen haben einen Anspruch darauf, optimal vor Verbrechen geschützt zu werden. Der Schutz der Bevölkerung vor Straftaten beinhaltet neben der konsequenten Verfolgung und Ahndung von Straftaten auch die Vorbeugung. Prävention und Repression schließen sich nicht aus, sie stehen in einem Sowohl-als-Auch Verhältnis“, erklärte der Minister weiter. Dieser wichtigen Aufgabe hätten sich die Präventionsräte auf Landes- und kommunaler Ebene angenommen. Deren Arbeit werde unter anderem durch die Ausschreibung des mit 5.000 € dotierten Hessischen Präventionspreises unterstützt. Der Preis helfe bei der Förderung qualitativ hochwertiger Präventionsarbeit und sei in diesem Jahr von dem hessischen Fußballverein Eintracht Frankfurt gestiftet worden. Der Minister sprach dem spendenden Fußballverein seinen besonderen Dank aus.

Die diesjährigen Sieger sind das Projekt „Mobile Jugendhilfe“ der Stadt Neu-Isenburg (1. Preis, 2.000 €), der Box-Club Nordend Offenbach e.V. (2. Platz, 1.500 €) und das Projekt „Nicht mit mir! – Starke Kinder schützen sich“ des Polizei-Sport-Vereins Grün-Weiß Wiesbaden e.V., Abteilung Ju Jutsu (3. Platz, 1.500 €).

Jürgen Banzer würdigte die besondere Qualität und Phantasie der 20 kriminalpräventiven Projekte, die am Wettbewerb um den diesjährigen hessischen Präventionspreis teilgenommen hatten. Eine Kommission bestehend aus Mitarbeitern der Eintracht Frankfurt Fußball AG und dem Arbeitsausschuss der Sachverständigenkommission für Kriminalprävention entschied über die Preisvergabe. Die Kommission vergab zudem eine Auszeichnung für besonders lange und kontinuierliche Präventionsarbeit bzw. für ein gelungenes zielorientiertes Beispiel kommunaler Kriminalprävention an die Projekte „Auszeit im Kreis Groß-Gerau e.V.“ und „Schule + Verein+Prävention“ des Präventionsrates der Stadt Frankfurt am Main.

Die diesjährigen Preisträger des zweijährlich vom Präventionsrat vergebenen Präventionspreises:

1. Platz (2.000 €) „Mobile Jugendhilfe“ der Stadt Neu-Isenburg

In Neu-Isenburg zogen 35 bis 40 Jugendliche abends gemeinsam durch die Stadt und begingen Straftaten wie Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Die Stadt legte das Projekt „Mobile Jugendhilfe“ auf, das den Einsatz von 4 Streetworkern beinhaltete, die auch türkisch und russische Jugendliche in der Muttersprache ansprechen konnten. Sie verfügten über langjährige Erfahrung mit Jugendlichen und suchten sie auf der Straße auf. Die Streetworker waren rund um die Uhr einsatzbereit und sorgten zusammen mit dem Neu-Isenburger Sportverein „Seishin“ dafür, dass einige der auffälligen Jugendlichen dort regelmäßig trainieren können. Sie sollten von der Straße geholt und in die Sportangebote des Vereins integriert werden . Das Ziel war auch, sinnvolle Angebote für eine positive Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu verschaffen. Hierfür wurde das „Café Zukunft“ angegliedert. Das Café wird durch die Jugendlichen selbst betrieben, so dass sie durch Einkauf, Abrechnung und Reinigung etc. Selbstverantwortung übernehmen. Die Stadt Neu-Isenburg teilte mit, dass Straftaten und Bürgerbeschwerden bereits 3 Monate nach Projektbeginn um 35 % zurückgegangen sind. Einige Jugendliche wurden in Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse vermittelt.

2. Platz (1.500 €) Box-Club Nordend Offenbach e.V.

Ziel des Boxtrainings ist es, die Teilnehmer bei Entwicklungsprozessen zu unterstützen, um zukünftig auf Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten zu verzichten. Das Projekt ist auf schwierige, gewaltbereite und gewalttätige Jugendliche ausgerichtet, wobei auch ausdrücklich Jugendliche, die bislang in einer Opferrolle lebten, angesprochen werden sollen. Ebenso sollen auch Verhaltensauffällige integriert werden. Ein respektvoller Umgang wird von den Trainern vorgelebt und gleichzeitig konsequent und ausnahmslos eingefordert. Wer außerhalb des Boxtrainings Gewalt anwendet, wird von dem Projekt ausgeschlossen. Zudem wird auch Nachhilfeunterricht angeboten. Erst nach dem Nachhilfeunterricht kann der Jugendliche an dem Training teilnehmen.

3. Platz (1.500 €) Projekt „Nicht mit mir! – Starke Kinder schützen sich“ des Polizei-Sport-Vereins Grün-Weiß Wiesbaden e.V., Abteilung Ju Jutsu

Der Verein reagiert auf die zunehmende Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen, indem junge Menschen geschult werden in sicherem Auftreten und Durchsetzungsvermögen. Selbstvertrauen wird vermittelt sowie die körperliche und geistige Stärkung angestrebt, um ihrer Rolle als Opfer und auch als Täter entgegenzuwirken. Das Abwehren körperlicher Angriffe wird dabei erst als letzter Schritt des sanften Weges (Übersetzung des Wortes „Ju Jutsu“) angesehen. Zunächst wurden nur die Kinder der Ju Jutsu Abteilung des Vereines geschult. Nunmehr finden auch Schulungen an Schulen statt. Die Kinder sind nach dem Kurs selbstbewusster und haben das Wissen, auf viele Situationen geeignet reagieren zu können

Nachhaltigkeit

Für lange und kontinuierliche Präventionsarbeit wurde das Projekt „Auszeit im Kreis Groß-Gerau e.V.“ ausgezeichnet. Mit Hilfe eines „Sportmobils“ werden Sport, Spiel und Beratung an Orten angeboten, wo Jugendliche sich regelmäßig aufhalten. Das Angebot dieser offenen Jugendhilfe stößt auf große Resonanz.

Das Projekt „Schule+Verein+Prävention“ des Präventionsrats der Stadt Frankfurt am Main wurde für ein gelungenes Beispiel zielorientierter kommunaler Kriminalprävention ausgezeichnet. Sucht- und Gewaltprävention wird gezielt durch die Einbeziehung auffälliger Jugendliche in örtliche Sportprogramme betrieben. Gleichzeitig werden die Regeln der Fairness und Rücksichtnahme vermittelt.

Preisverleihung im Hessischen Landtag in Wiesbaden
Preisverleihung im Hessischen Landtag in Wiesbaden
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