Treffen der örtlichen Präventionsgremien und des Landespräventionsrates Hessen (LPR)

Treffen der örtlichen Präventionsgremien und des Landespräventionsrates Hessen

Am 20. April 2026 kamen Vertreterinnen und Vertreter der örtlichen Präventionsgremien sowie des Landespräventionsrates Hessen zu einem gemeinsamen Fachtag im Stadthaus Frankfurt am Main zusammen.

Das jährliche Treffen der örtlichen Präventionsgremien mit dem Landespräventionsrat Hessen fand in enger Kooperation mit dem Präventionsrat der Stadt Frankfurt statt. Zahlreiche Fachleute und Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Bereichen der Sicherheits- und Kriminalprävention nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Treffens stand der Austausch über aktuelle Entwicklungen und Ansätze in der Kriminalprävention, insbesondere vor dem Hintergrund der Frankfurter Besonderheiten – allen voran der Herausforderungen im Bereich des Hotspots Bahnhofsviertel. Ziel der Veranstaltung war es, unterschiedliche Perspektiven aus Praxis, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft zusammenzuführen und gemeinsam tragfähige Lösungsansätze zu diskutieren.

Bereits ab 9:30 Uhr trafen die Teilnehmenden zur Registrierung ein, bevor der Fachtag um 10:00 Uhr feierlich eröffnet wurde. Der FrauenPolizeiChor Frankfurt am Main e.V. setzte mit einer musikalischen Begrüßung einen besonderen Auftakt.

Frauenpolizeichor Frankfurt am Main e.V.
Frauenpolizeichor Frankfurt am Main e.V.

Der Fachtag wurde von der Vorsitzenden des Landespräventionsrates Hessen, Frau Christina Kreis, eröffnet und im weiteren Verlauf auch moderiert. Im Anschluss hieß Annette Rinn, Dezernentin für Ordnung, Sicherheit und Brandschutz der Stadt Frankfurt am Main, die Anwesenden willkommen.

Eröffnung und Moderation von Christina Kreis, Vorsitzende des LPR Hessen
Eröffnung und Moderation von Christina Kreis, Vorsitzende des LPR Hessen

Im ersten Themenblock standen Präventionsbotschaften aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen im Fokus. Die Journalistin Heike Borufka (Hessischer Rundfunk) sowie der ehemalige Profifußballer und Präventionsbotschafter Sebastian Rode beleuchteten die Rolle von Medien und Sport in der Vermittlung präventiver Inhalte. Frau Borufka machte dabei aus ihrer langjährigen Erfahrung als Gerichtsreporterin deutlich, dass im Gerichtssaal häufig das Ende von Fehlentwicklungen sichtbar wird, die bereits lange zuvor durch frühzeitige Prävention und Intervention hätten gestoppt oder verhindert werden können. In diesem Zusammenhang hob sie insbesondere die wichtige Rolle des Sports als präventiven Ansatz hervor. Sebastian Rode betonte darüber hinaus die integrative Kraft des Sports und insbesondere des Fußballs. Fußball sei universell verständlich: Es brauche nur einfache Regeln sowie minimale Voraussetzungen – einen Ball und zwei Tore. Gerade im Mannschaftssport entstünden Verbindung, Gemeinschaft und Verständigung über soziale und kulturelle Grenzen hinweg. Die „Sprache“ des Sports sei geprägt von Fairness und Respekt und könne damit einen wichtigen Beitrag zur Prävention und gesellschaftlichen Integration leisten.

Die Sprache des Sports ist geprägt von Fairness und Respekt

Sebastian Rode Botschafter des LPR, ehem. Kapitän der Eintracht Frankfurt
Heike Borufka und Sebastian Rode
Heike Borufka und Sebastian Rode

Prävention auf Landesebene - Prävention auf kommunaler Ebene

Anschließend folgten Impulsvorträge zur Prävention auf verschiedenen Ebenen. Markus Wörsdörfer, Geschäftsführer des Landespräventionsrates Hessen, stellte die Bedeutung von Kooperation und Vernetzung für eine wirksame Kriminalprävention auf Landesebene heraus. Peter Kris Kempf, Leiter des Präventionsrates Frankfurt, ging auf die spezifischen Herausforderungen und Chancen kommunaler Präventionsarbeit in einer Großstadt ein.

Markus Wörsdörfer, Geschäftsführer des LPR
Markus Wörsdörfer, Geschäftsführer des LPR
Peter Kris Kempf, Leiter Präventionsrat Frankfurt/M.
Peter Kris Kempf, Leiter Präventionsrat Frankfurt/M.

Prävention aus europäischer und bundesdeutscher Perspektive - Urbane Sicherheit und kommunale Prävention in anderen Städten und Europa

Eine europäische Perspektive brachte Anna Rau vom Deutsch-Europäischen Forum für Urbane Sicherheit e. V. (DEFUS) ein. Sie stellte wachsende Herausforderungen für Kommunen dar und zeigte Möglichkeiten der Prävention aus europäischer und bundesdeutscher Perspektive auf – insbesondere mit Blick auf Erfahrungen und Strategien anderer Städte. Dabei wurde deutlich, wie wichtig der internationale Austausch und die Übertragbarkeit erfolgreicher Ansätze für die Weiterentwicklung der kommunalen Präventionsarbeit sind.

Anna Rau, Deutsch-Europäisches Forum für Urbane Sicherheit e.V. (DEFUS)
Anna Rau, Deutsch-Europäisches Forum für Urbane Sicherheit e.V. (DEFUS)

Suchtprävention aus wissenschaftlicher Sicht

Der wissenschaftliche Teil des Fachtags widmete sich aktuellen Debatten und Forschungsergebnissen. Dr. med. Mathias Luderer (Universitätsmedizin Frankfurt am Main) setzte sich in seinem Vortrag kritisch mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Sucht und Suchtprävention auseinander. Er betonte, dass eine Romantisierung von Konsum präventive Bemühungen erheblich erschwere („Wer Konsum romantisiert, macht Prävention schwerer“).

Für die kommunale Präventionsarbeit gab er konkrete Hinweise entlang der verschiedenen Präventionsebenen: In der Primärprävention komme es insbesondere darauf an, die Verfügbarkeit und Sichtbarkeit von Drogen zu reduzieren. In der Sekundärprävention sollten niedrigschwellige Angebote gezielt dort verankert werden, wo betroffene Menschen bereits im System erreicht werden können – etwa in Notaufnahmen, Jobcentern oder in der Bewährungshilfe. Für die Tertiärprävention hob Luderer die Bedeutung von Anschlussbehandlungen und verlässlichem Wohnraum hervor. Die sogenannte „Drehtür“ – also das wiederholte Durchlaufen von Hilfesystemen ohne nachhaltige Stabilisierung – stelle dabei ein wesentliches Sicherheitsrisiko dar.

Zugleich machte er deutlich, dass wirksame Suchtprävention nur im engen Netzwerk gelingen kann: Polizei, Gesundheitsämter, Kliniken, Suchthilfe, Jugendhilfe, Sozialämter und Jobcenter müssten eng zusammenarbeiten, um nachhaltige Effekte zu erzielen.

Dr. med. Mathias Luderer, Universitätsmedizin Frankfurt/M.
Dr. med. Mathias Luderer, Universitätsmedizin Frankfurt/M.

Kriminologische Perspektive - "Das Frankfurter Bahnhofsviertel - Ansatzpunkte zur Kriminalprävention an einem urbanen Hotspot"

Im Anschluss analysierten Dr. Frederik Herden und Dr. Tim Pfeiffer von der Justus-Liebig-Universität Gießen das Frankfurter Bahnhofsviertel als urbanen Hotspot und zeigten konkrete Ansatzpunkte für kriminalpräventive Maßnahmen auf. In diesem Zusammenhang untersuchten sie auch die Waffenverbotszone rund um das Bahnhofsviertel. Hinsichtlich der Wirkung solcher Waffenverbotszonen sei die Datenlage derzeit noch begrenzt; eine belastbare und seriöse Einschätzung aus wissenschaftlicher Sicht könne zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorgenommen werden, erläuterte Dr. Herden.

Dr. Tim Pfeiffer und Dr. Frederik Herden, Justus-Liebig-Universität Gießen
Dr. Tim Pfeiffer und Dr. Frederik Herden, Justus-Liebig-Universität Gießen

Möglichkeiten und Grenzen der Prävention im Hot Spot

Nach der Mittagspause bot der Nachmittag Einblicke in Praxis und Zivilgesellschaft. Polizeipräsident Stefan Müller stellte die Möglichkeiten und Grenzen von Prävention in einem kriminalitätsbelasteten Hotspot dar und verdeutlichte zugleich die vielfältigen polizeilichen Interventionsstrategien, die im Bahnhofsviertel zur Anwendung kommen. Dabei wurde deutlich, dass präventive Maßnahmen und repressive Eingriffe eng verzahnt sein müssen, um nachhaltig Wirkung zu entfalten.

Stefan Müller, Polizeipräsident Frankfurt a. M.
Stefan Müller, Polizeipräsident Frankfurt a. M.

Schnittstelle Polizei und Zivilgesellschaft: Über Chancen und Grenzen zivilgesellschaftlicher Initiativen in der Präventions- und Sicherheitsarbeit

Thomas Humboldt, Geschäftsführer von Bürger und Polizei Frankfurt am Main e. V., beleuchtete die Schnittstelle zwischen Polizei und Zivilgesellschaft und diskutierte Chancen sowie Herausforderungen bürgerschaftlichen Engagements. Der Verein versteht sich als Brückenbauer zwischen Polizei und Zivilgesellschaft. Durch Projekte und Veranstaltungen wird gezielt ein Raum für Begegnung und Austausch auf Augenhöhe geschaffen – ausdrücklich auch außerhalb konkreter Einsatzsituationen. Darüber hinaus unterstützt der Verein zielgerichtet und unbürokratisch Präventionsprojekte und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der lokalen Präventionsarbeit.

Thomas Humboldt, Geschäftsführer Bürger und Polizei Frankfurt a. M. e.V.
Thomas Humboldt, Geschäftsführer Bürger und Polizei Frankfurt a. M. e.V.

Podiumsdiskussion: "Kooperative Sicherheitspolitik - was wirkt wirklich?"

Ein zentraler Höhepunkt des Fachtags war die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Kooperative Sicherheitspolitik – was wirkt wirklich?“. Unter der Moderation von Christina Kreis diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung, Polizei, Präventionsarbeit und Sport – darunter Prof. Dr. Britta Bannenberg, Dr. Holger Habich, Stefan Müller, Arno Börtzler und Max Coga – über erfolgreiche Ansätze und notwendige Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Sicherheits- und Präventionspolitik.

v.l.n.r.: Christina Kreis, Max Coga, Stefan Müller, Prof. Dr. Britta Bannenberg, Dr. Holger Habich, Arno Börtzler
v.l.n.r.: Christina Kreis, Max Coga, Stefan Müller, Prof. Dr. Britta Bannenberg, Dr. Holger Habich, Arno Börtzler

Der Fachtag endete mit einer gemeinsamen Ergebnissicherung sowie einem offenen Austausch, der den Teilnehmenden Gelegenheit bot, Kontakte zu vertiefen und neue Kooperationsansätze zu entwickeln.

Die Veranstaltung verdeutlichte eindrucksvoll, dass erfolgreiche Kriminalprävention nur im engen Zusammenspiel von Staat, Kommunen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gelingen kann. Der Landespräventionsrat Hessen wird die gewonnenen Erkenntnisse in seine weitere Arbeit einfließen lassen und den Dialog mit den örtlichen Präventionsgremien weiterhin aktiv fördern.